Underfire: The Untold Story of Pfc. Tony Vaccaro

Die Fotos aus dem Zweiten Weltkrieg sind in der Regel entweder von Angehörigen spezieller Einheiten oder Amateuren aufgenommen. Die Fotos von Tony Vaccaro (bürgerlich: Michelantonio Celestino Onofrio Vaccaro) bilden eine Ausnahme von dieser Regel. Vaccaro war mehr oder weniger schon Fotograf als er 1943 in die US-Armee eingezogen wird. Fürs Signal Corps wird er als zu jung befunden, nimmt dann aber doch als Soldat in der 83. Infantriedivision an der Landung in der Normandie und am Vormarsch auf Deutschland teil. Während dieser Zeit entstehen etwa 8000 Aufnahmen, die das Kriegsgeschehen unfassbar direkt und präzis erfassen (einige davon sind unter WW II Images auf der Website des Films zu sehen).Vaccaro entwickelt die Fotos vor Ort in einem improvisierten Labor aus Armeehelmen als Laborschale bei Nacht und hängt die Negative an den nächsten Baum zum Trocknen.

Max Lewkowiczs Underfire: The Untold Story of Pfc. Tony Vaccaro lebt von der Kraft dieser Bilder, den Entstehungsgeschichten, die Vaccaro zu ihnen erzählt und von den Interviews mit Fotografiekolleg_innen von Vaccaro (vor allem Lynsey Addario). Der Website zum Film zufolge hat Regisseur Lewkowicz bislang unter anderem unzählige Filme für Museen gedreht. Eine Vergangenheit, die man auch Underfire anmerkt. Filmisch wäre durchaus mehr aus der Geschichte der Bilder und einem ausgesprochen lebendigen Erzähler wie Vaccaro für einen Film herauszuholen gewesen. So wirken die Geschichten und die Talking-Head-Interviews bisweilen arg brav aneinandergereiht. Das könnte zur Monotonie geraten, wären nicht immer wieder einzelne Passagen und Bilder so ergreifend, dass sie die Tendenz zur Eintönigkeit vergessen machen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb Vaccaro noch eine Weile in Deutschland und dokumentierte die Nachkriegszeit für das Armee-Magazin Stars and Stripes. Nach seiner Rückkehr in die USA verlegte sich Vaccaro auf andere Sparten der Fotografie und wurde vor allem für seine Porträts u.a. für das LIFE-Magazin bekannt. In Underfire: The Untold Story of Pfc. Tony Vaccaro folgt die Mitteilung über die Entscheidung auf einige Bilder, nach denen wohl jeder verstehen wird, warum Vaccaro das Fotografieren solcher Bilder nicht zu seinem Beruf machen wollte. Zugleich versteht man aus den Reaktionen von Lynsey Addario und Tyler Hicks viel über das Selbstverständnis von Kriegsfotograf_innen.

Underfire: The Untold Story of Pfc. Tony Vaccaro, USA 2016, Max Lewkowicz, 79′

http://tonyvaccarofilm.com/

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