Neues von Vicaris Diaz-Film, 2

Heute erst gesehen: am Montag schrieb Marion von Zieglauer unter dem wohl irgendwie ironisch gemeinten Titel Komitee für Wahrheit und Gerechtigkeit über Vicaris Diaz-Filmprojekt. Der Artikel ist seltsam schmallippig über den Konflikt zwischen Regisseur Vicari, seinem Produzenten Procacci und den Leuten vom Comitato verità e giustizia.
Dass weder Procacci noch Vicari sich Freunde machen mit dem Film ist zwar richtig, aber erklärungsbedürftig. Zugleich es ist durchaus ein Unterschied ob die beiden kein Geld von Berlusconi in Form von a) der RAI oder b) Medusa kriegen oder sie für ihr Vorgehen von der relevantesten italienischen Opfervereinigung kritisiert werden. Denn einerseits besteht der Skandal in Sachen RAI und Medusa ja wohl eher darin, dass Procacci und Vicari überhaupt versucht haben, deren Geld zu bekommen und sich so von Anfang an entschlossen haben, sich zensieren zu lassen und andererseits ist es wohl etwas übertrieben zu schreiben, Procacci „ist dafür bekannt, soziale Themen aufzugreifen“. Der hat nämlich zwar Gomorrah produziert, aber die Filmographie von Fandango ist insgesamt kaum durch soziale Themen geprägt.
Hier hätte sich übrigens die Gegendarstellung des Comitato gefunden it eng via translate. Zudem sind unterdessen der Teaser und die Website zum Film online.


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Was da zu sehen ist, wirkt erstmal wie ein etwas reißerisch geratene Spielfilmversion des Dokfilms Black Block von Carlo Bachschmidt (der Mitorganisator des GSF war und im Diaz-Prozeß von den Opferanwälten als technischer Berater angeheuert wurde, hier ein Deutsche Welle Interview mit ihm), den Fandango ebenfalls produziert hat und der dieses Jahr im Rahmen von Controcampo Italiano in Venedig lief. Was die Fragen eigentlich nur vermehrt: denn wenn die diesen Film vorher gemacht haben (und es liegt nahe zu vermuten, dass der auch Ergebnis der Vorrecherchen ist) und zudem auch gerade noch ein Buch zum Thema erschienen ist (Fandango arbeitet auch als Verlag): Alessandro Mantovani „Diaz processo alla polizia“ (Diaz, Prozeß gegen die Polizei, hier im Interview mit La Repubblica it eng via translate) verwundert das seltsame Kommunikationsverhalten von Vicari/Procacci noch mehr.
Der avisierte Starttermin „Frühjahr 2012“ soll wohl heißen, dass der Film nächstes Jahr in Venedig laufen soll…

Edit: so beim Drübernachdenken: in der Filmkrise der frühen 1930er Jahre setzten italienische Produktionen auf Co-Produktionen, weil der italienische Kinomarkt eh irrelevant für sie war. Irgendwie riecht Procaccis Vorgehen nach der gleichen Taktik. Französisches Geld und einen billigen Drehort in Rumänien hat er schon, die deutsche Schauspielerin wirkt dann wie ein Schielen nach dem deutschen Markt. Die deutsche „Filmpresse“ freut sich ja immer wenn sie dann eine Schauspielerin hat, die den Film in Phrasen hüllt… Das unterschiede diese Taktik übrigens von den Co-Produktionen der 1960er Jahren, in denen die Schauspieler_innen immer Teil eines Pakets aus Geld plus bekannte Gesichter waren. Bei Non pulite… gibts offenbar kein deutsches Geld, aber eine Schauspielerin…


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