Neues von Vicaris Diaz-Film

Daniele Vicari, der derzeit an einem Film über das Gemetzel der italienischen Polizei in der Diaz-Schule arbeitet, jammert: Alle haben sie ihn mit seinem schönen Film sitzen lassen: die Rai (also Berlusconi), die Mediaset (also Berlusconi) und nun auch noch das Centro sociale Zona Rischio. Während letztere wohl eher ein Problem damit haben dürften, dass der Film die Ereignisse überhaupt darstellt, geht es letzteren darum, dass Vicari im Vorfeld sich sein Drehbuch erstmal vom Polizeichef abnicken ließ und daraufhin das „Comitato verità e giustizia“ Irritationen äußerte (siehe dazu hier). Vicari möchte daraufhin mit den Menschen von Centro sociale diskutieren, obwohl er nie „öffentlich über den Film reden wollte, weil ich [also er, also Vicari; orcival] zu sehr in dem Projekt drinhänge, es ist ein schwieriger Film, und ich will keine unnützen Diskussionen.“ – Man fragt sich ja ob Vicari nur ungeschickt ist oder wirklich so dämlich: nach der Reaktion des Comitato hätte man ja meinen können, Vicari erkennt, dass der Film nur mit den Opfern Sinn macht. Statt dessen scheint seine Wahl gefallen zu sein, den Film als x-beliebige Story zu behandeln. Damit kann er gar nicht genug auf die Nase fallen.
Vicari erklärt weiter, er habe sehr wohl mit Opfern von damals gesprochen, einerseits mit den Individuen, die das Komittee bilden (warum die dann allerdings den Protest so formuliert haben, erklärt er nicht) und mit den Opfern, die er für ungehört hält, den nicht italienischen (Vicari nennt die deutschen und französischen). Die einzige Chance, die der Film noch haben dürfte liegt eben in dem Ausstieg von Berlusconis Geld und Einfluß aus dem Film. Dass der Film nun mit dem Geld von Procacci und seiner Fandango auskommen muss und durch die Verlagerung des Großteils der Dreharbeiten nach Rumänien Geld spart, könnte eine Chance werden. Freilich nur dann, wenn der Film sich entscheidet doch noch parteiisch zu werden.1 Vicaris Selbststilisierung als Opfer eines Boykotts und seine Behauptung alles richtig gemacht zu haben, lassen die Zweifel an dem Projekt unterdessen eher wachsen.

  1. Vgl. Malcom Pagani: Quel regista è un sovversivo, in: L’Espresso online 3.6.2011, zuletzt 6.7.2011. []

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